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Die Essgewohnheiten der Piraten

Dieser Blogpost wird mein erster und ich habe mir überlegt, wovon ich schreibe. Miriam hat mir als Aufgabe und Frage gestellt, mal etwas aus meinen bevorzugten Ausschüssen für einen Blogpost zu verwenden. Leider sind die Sitzungen des Petitionsausschusses viel zu oft nichtöffentlich, was ich auch in einem weiteren Blogpost anprangern werde.

Doch gestern hab ich etwas mitbekommen, was mich persönlich betrifft und ehrlich gesagt etwas verärgert. Worum geht´s?
Es geht um das Essen. Aber auch um Grundsatzpositionen der Piraten und wie diese in der Wirklichkeit umgesetzt werden. 
Aktuell bin ich sogar ziemlich traurig, empört und äußerst angefressen.

Aber warum das Ganze.
Ich hatte ein sehr gutes Gespräch mit Sandra Tiedtke aus dem LV Sachsen-Anhalt über unsere Berliner Squads. Vor einiger Zeit hat sich in Berlin das Struktursquad GemüseKombüse aka GecKosquad gebildet. Das Squad hatte sich zur Aufgabe gestellt, die Truppe der VEB Stulle von Heide Hagen und die Teufelsküche bei Veranstaltungen zu unterstützen. Die VEB Stulle bietet, wie der Name schon sagt, z. B. auf Aufstellungsversammlungen Massen an geschmierten Stullen an. Diese sind mit Liebe geschmiert und, was die wenigsten wissen, zumeist alle mit vegetarischem oder veganen Aufstrich zubereitet. (Kurze Erläuterung: Stulle sind Brotscheiben oder auch Schnitten, Bemmen u.ä. genannt. VEB ist die Abkürzung für Volkseigener Betrieb, ein Relikt aus der Zeit der DDR.) Die Teufelsküche bietet für den gehoben Geschmack sehr schmackhaftes Essen. Dieses Essen ist zumeist mit Fleisch oder Fisch und ist, wie man auf der LMV12.2 sehen konnte, sehr gefragt.
Zur AVB13, der Aufstellungsversammlung in Berlin am 23. und 24. Februar 2013, werden das GecKosquad und die VEB Stulle beide Tage für die Verpflegung der Mitglieder sorgen.
Das GecKosquad hat sich auf seine Fahnen geschrieben, barrierefreies Essen anzubieten. Das bedeutet, es wird vegan gekocht, in Ausnahmefällen auch mal vegetarisch.
Warum macht das GecKosquad so etwas? Die Mitglieder des Squad sind bei weitem nicht alle Veganer oder Vegetarier. Doch alle finden es wichtig das wir ein Essen für alle anbieten. Warum auch nicht? Gesondertes Essen ist zwar schön für alle, weil jeder sein geliebtes gewohntes Essen bekommt, aber logistisch unter aller Sau. Und es fördert die Ausgrenzung. Die Ausgrenzung betrifft hier aber alle.
Das Zauberwort Inklusion ist hier der Schlüssel. Wie erreichen wir diese auf Veranstaltungen wie der AVB13, bei der rund 500 Leute erwartet werden?
Da nimmt man etwas Mathe zu Hilfe. Der kleinste gemeinsame Nenner ist in diesem Fall veganes Essen.
Veganes Essen bringt hier mehrere Vorteile. Es schließt alles ein, oder sagen wir mal fast alles. Die Frage des Fleisches ist damit nicht zu stellen. Bietet man Schwein an, können oder wollen es diverse Menschen und Menschengruppen nicht essen. Mit anderen Fleischsorten sieht es genau so aus. Veganer oder Vegetarier essen aus Gewissensgründen oder auch einfach aus eigenem Geschmack kein Fleisch. Aber Gemüse essen alle diese Gruppen. Jetzt kommt der barrierefreie Punkt. Viele Menschen sind intolerant gegenüber Laktose. Auch hier bietet die vegane Küche Alternativen an.
Ich will hier nicht über die vegane Küche schreiben, denn darum geht es mir nicht. Nur so viel, ich bin Fleischfresser durch und durch doch gibt es bei mir auf Partys immer eine Auswahl an Fleisch und an veganem Essen. das sich hervorragend kombinieren lässt.
Das GecKosquad hat sich bisher gut geschlagen, wir haben für diverse Veranstaltungen Beauftragungen bekommen. Alle Mitglieder machen die Arbeit kostenlos und freiwillig, was aber auch bedeutet, das man sich bei Veranstaltungen wie einem Landesparteitag nicht so engagieren kann, wie man eventuell möchte. Dennoch machen alle das gerne und man teilt sich die Arbeit auf. Durch Spenden der Mitglieder haben wir es bisher auch immer geschafft, unsere Ausgaben zu decken.
Umso mehr ärgert mich das Nachfolgende.
Am 11.02.2013 hat Sandra die Idee der Squads aufgenommen und in der landeseigenen Piraten-Facebookgruppe gepostet mit dem Hinweis, dass sie sich so etwas für die Piraten in Sachsen-Anhalt wünscht. Genau wie die Kommentare, die zu diesem Thema auf Twitter hinterlassen wurden, lassen die Kommentare auf Facebook sehr zu wünschen übrig.
Da kommt sowas wie:

Die Juden und Moslems(sofern gläubig) bringen ihren Koschermampf auch selber mit.VegetARIER und Veganer sind sowieso Nazis weil Hilter auch VegetARIER war. 🙂

Oder:

Ich bringe meine Bemmen auch selber mit Laktosefrei warum wollen die Veganer immer Extrawürste?

oder

fällt unter die kategorie „Man kanns auch übertreiben“

oder

Seit wann spielt es eine Rolle, was wer am liebsten isst. Und was hat das mit Inklusion zu tun?

oder

Ja Barrierefreiheit,dann suchen wir demnächst nur noch Veranstaltungsorte die auch Veganeressen anbieten und Laktosefreie Milch im Kühlschrank haben blabla und wenn wir pro Tag 1000e mehr bezahlen dann muß es so sein. Dieser Faschistenscheiß geht mir so langsam was auf total auf die Eier,ach vergessen Transen und Zwittertoiletten müßen auch vorhanden sein

Sorry, aber das geht mal gar nicht. Merkt Ihr selber, oder? Das sind Piraten aus LSA, die sich hier melden. Mal abgesehen davon, dass es nicht nur um die Vprlieben Einzelner geht, was das Essen angeht, sondern um ein Essen, was der überwiegende Teil aller Mitglieder verzehren kann. Es geht um die Außenansicht, die unsere Parteimitglieder hier mal wieder an den Tag legen. Zwar kann sich ein Nicht-Gruppenmitglied nicht zu Kommentaren hinreißen lassen, aber lesen kann es jeder, der das Gesichtsbuch benutzt und wahrscheinlich per Google-Suche drüber stolpert.
Es geht mir nicht darum, Leute anzuprangern. Dennoch denke ich, dass diese Leute ihre öffentliche Darstellung überdenken sollten.

Als kleinen Denkanstoß möchte ich hier gerne noch Teile unseres Grundsatzprogrammes im Bezug auf die „Vielfalt in unserer Gesellschaft“ zitieren.

Wir sehen die Vielfalt, die auch durch das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft entsteht, als Bereicherung des gesellschaftlichen Lebens an. Wir erkennen den gegenseitigen Einfluss von Ausgrenzung durch die Mehrheitsgesellschaft und Segregation der als „fremd“ gebrandmarkten Menschen und werten diese Situation als mit unseren Vorstellungen von Menschenwürde nicht vereinbar.
 
Gemeinsam gegen Rassismus
Rassismus und kulturell begründete Diskriminierung sind nach wie vor ein gravieren des Problem, das dem friedlichen Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft im Wege steht. Gewalt und Einschüchterung aufgrund der Herkunft, Religion oder Kultur sind in jedem Fall inakzeptabel. Darum muss Rassismus und Ausländerfeindlichkeit jeder Form entschieden entgegengetreten werden, ebenso wie anderen Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Biologistische Weltbilder, in denen Menschen bestimmter Abstammung anderen als von Natur aus überlegen angesehen werden, sind wissenschaftlich widerlegt und unvereinbar mit den Werten und Zielen der Piratenpartei, ebenso wie jene Ideologien, die ganzen Bevölkerungsgruppen kollektive Hegemoniebestrebungen unterstellen, um die angebliche Notwendigkeit eines „Kampf der Kulturen“ zu propagieren. Beispiele für derartige Ideologien sind Antisemitismus und Islamhass. Dabei gilt es das Augenmerk nicht nur auf den rechten Rand der Gesellschaft zu legen, sondern Vorurteilen und Intoleranz auch in der Mitte der Gesellschaft beim Alltagsrassismus, latent antisemitischen Stereotypen und der um sich greifenden Islamfeindlichkeit entgegenzutreten.
 
Die Piratenpartei möchte Kampagnen und Initiativen unterstützen, die sich zum Ziel gesetzt haben, das Verständnis zwischen verschiedenen Kulturen und Weltanschauungen zu verbessern, Vorurteile abzubauen und das Miteinander zu fördern.

 Irgend wie passt das Ganze also nicht zusammen. Warum predigen wir Wasser und saufen dann Wein? Sollten wir nicht der Gesellschaft oder besser der geneigten Wählerschaft zeigen, das wir selbst auch genau das machen, was wir erreichen wollen?
Ja, Berlin ist ein großer Landesverband und wir haben hier viele fähige und engagierte Piraten die sich in Squads vereinen, um irgend etwas auf die Beine zu stellen, um allen Mitgliedern und Gästen die Möglichkeit zu geben, an Versammlungen teilzunehmen und sich bei uns Piraten auch wohlfühlen.

Daher meine Bitte an alle: Denkt bitte nach, bevor Ihr schreibt, redet oder Bockmist verzapft. 🙂

So, mein Frust ist verraucht, jetzt kann die Arbeit weiter gehen.
Teuflische Grüße
Diablescat