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Direktkandidat: ja, Liste: nein

Gestern, am 20. Februar 2013, habe ich mich entschlossen, meine Bewerbung für die Berliner Landesliste zur Bundestagswahl zurückzuziehen.
Ich möchte hier die Gründe für diesen Schritt öffentlich darlegen.

Als Erstes möchte ich darauf hinweisen, dass diese Entscheidung nur für die Listenkandidatur gilt. Meine Bewerbung für die Direktkandidatur im Wahlkreis 76 (Pankow) werde ich aufrechterhalten.

Warum ziehe ich mich von der Liste zurück?
Wer jetzt behaupten möchte, ich hätte Angst, liegt weit daneben.
Im Grunde habe ich Wichtigeres gefunden: Wichtigeres als die Liste und Wichtigeres, als meine Zeit in der Aufstellungsversammlung als Kandidat zu verbringen.

Ich liebe diese Partei und will mit ihr in den Deutschen Bundestag und zwar ab September 2013. Ich werde alles dafür tun, dass dies passiert.
Aber ich habe ein Problem mit der Liste.

Im Juli 2012 habe ich begonnen, mich für die Wahl vorzubereiten. Ich habe meine freiwilligen Aufgaben in diversen Onlineforen, wo ich als Moderator unterwegs war, eingeschränkt und zum Ende des Jahres 2012 abgegeben. Ich habe in Essen das Bundestags-BarCamp besucht, mich mit Leuten unterhalten und Freunde und Piraten in meine Pläne eingeweiht. Ich habe mich, so gut es ging und ich die Zeit dafür zusammenkratzen konnte, vorbereitet, Crews besucht und mich grillen lassen. Im Grunde passte es mir sogar, dass ich einen großen Kunden verlor, obwohl es schon im Geldbeutel schmerzte.

Wir werden auf der Berliner Liste sicher eine Handvoll guter Leute drauf wieder finden, doch realistisch sind die Plätze 1 und 2. Diese beiden Menschen werden, wenn alles gut läuft, für Berlin in den Bundestag einziehen. Diese beiden, und eventuelle Nachrücker, werden dann den Wahlkampf in Berlin bestreiten. Nach der AV am Wochenende werden wir sehen, was die Versammlung für Kandidaten gewählt hat.

Nach meiner Eintragung der Bewerbung im letzten Jahr ist die Liste bereits bei 50 Personen angekommen. Darunter sind allerdings auch Personen, denen ich weder zutraue, ein guter MdB zu sein, noch, den Bundestagswahlkampf zu reißen.
Warum verzichte ich nun trotzdem auf die Liste?
Die Versammlung wird am kommenden Wochenende beschließen, wie lang unsere Liste wird und welches Wahlverfahren wir anwenden. Danach wird eine Vorstellung der Kandidaten stattfinden mit einer anschließenden Befragung. Und das wird dazu führen, dass wir es vermutlich nicht schaffen werden, bis Sonntag Abend die Liste gewählt zu haben.
Denn es werden sicherlich noch diverse Trolle aus der Versenkung auftauchen, und Piraten, die sich spontan entschließen werden, auch noch zu kandidieren (so wie es in den letzten drei Wochen auch schon im Wiki passiert ist). Hinz und Kunz ist auf einmal der Meinung, es wäre gut, sich für die Partei aufstellen zu lassen. Warum auch nicht? Aber haben sie darüber nachgedacht, haben sie sich die Auswirkungen ausgemalt? Ich bezweifle es angesichts der Kurzfristigkeit ernsthaft. Spontankandidaturen für parteiinterne Posten sind eine Sache, für Mandate eine völlig andere.

Mir persönlich sind die meisten Leute, die auf der Wiki-Bewerber-Plattform stehen, bekannt – und weniger als 1/4 der Leute haben imho auch die Kraft, das wirklich durchzustehen.
Da gibt es die Leute, die sich immer und überall aufreiben und sich mit allem, was sie an geistiger und körperlicher Kraft haben, einbringen. Hut ab, ihr steht für die Sache ein, aber ihr achtet weder auf Euch noch auf eure Gesundheit. Das haltet ihr keine vier Jahre durch und vor allem habt Ihr einen anderen Job im Bundestag. Ein wenig Ranten, Stress etc. ist ja okay, aber ihr werdet euch auch um Sachen kümmern müssen, die nicht euer Job sind.
Dann gibt es noch die Leute, die von sich behaupten, sie seien die Erfinder der Piraten, sie hätten das BGE erfunden, den fahrscheinlosen Nahverkehr, die Welt zu einer Kugel gemacht und natürlich die Sonne zum Glühen gebracht.
Nee, is klar, merkt ihr selber, oder?
Wir haben auch einen Teil von Leuten dabei, die lieber vorher ihren Arzt, Psychologen oder seelischen Beistand fragen sollten, ob für diesen Job stabil und belastbar sollten. In einigen Fällen würde hier die Antwort „Nein“ lauten.
Würden alle diese Leute Ihre Kandidatur zurückziehen, wären wir bei vielleicht 15-20 Personen. In dieser Ausgangslage würde ich auch weiter kandidieren. Da hätte die Versammlung die Möglichkeit, alle in Ruhe zu befragen und eine gute Liste aufzustellen. Vielleicht wäre auch ich dann dabei und ich würde mich freuen.
So werden wir uns aber wohl eher selbst im Wege stehen, weil wir uns erst einmal gegenseitig die Köpfe einschlagen um festzustellen, wie wir die Trolle aus der Liste raushalten und um herauszufinden, wer denn nun ein Troll ist und wer nicht.
Ich glaube, in dieser Situation ist es lohnender für alle Beteiligten, wenn ich mich um andere wichtige Dinge kümmere, als auf dem Podium mit einem Zettelchen in der Hand zu stehen und versuchen zu erklären, warum man nun gerade mich wählen sollte.

Als Mitglied des GecKo-Squads hab ich diese Woche erlebt, wie wichtig Kommunikation , Verantwortung und Organisation sind. Ich werde mich zusammen mit den anderen Mitgliedern unserer Catering-Squads darum kümmern, dass alle Anwesenden, also auch die Kandidaten, die Versammlungsleitung (sei sie aus Berlin oder auch von weit weit weg) und auch die Kinder eine angenehmes Wochenende haben.
Nach der AV werde ich mich auf die Wahl des Direktkandidaten in Pankow konzentrieren. Die Direktkandidaten werden unser Aushängeschild sein. Sie sind die Gesichter und auch Köpfe, die unser Programm präsentieren, verteidigen und verbreiten werden. Sie zu unterstützen, wird mir Freude machen. Und sollte ich tatsächlich in Pankow als Sieger hervorgehen, wünsche ich mir in den anderen Berliner Wahlkreisen ebensolche Menschen, die das genau so sehen.

In diesem Sinne wünsche ich allen eine schöne und erfolgreiche AV.

Euer @diablescat.